- Wenn die EZB oder die FED hunderte Millarden an Liquidität bereitstellt was bedeutet das?
Im Fall, das einzelne Banken mehr Geld leihen müssen, als sie zu vernünftigen Zinssetzen am Markt erhalten können, gibt die EZB Liquidität in den Markt. Dazu kann sie auf verschiedene Arten zurückgreifen. Oft sind dies sehr kurzfristige Gelder, so daß dieses Geld sich nicht langfristig auf die Geldmenge auswirkt.
Zu viel an kurzfristiger Liquidität zieht die EZB dann ebenfalls mit Tendern wieder ab. Zu vergleichen ist das wie mit einer Tankstelle. Der Markt, also die internationalen Finanzmärkte kann man mit den Autofahrern vergleichen, die durstig nach Benzin sind. Die Tankstellen representieren in diesem Vergleich die europäischen Banken. Sind zu viele Fahrzeuge an der Tankstelle, dann müssen einige warten. Normalerweise reichen die Kapazitäten der Tankstellen aus, so daß alle Autofahrer nur geringe Wartezeiten in Kauf nehmen. In besonderen Fällen aber, so zum Beispiel vor einer Benzinpreiserhöhung, fahren „alle auf einmal“ zum Tanken. In diesem Fall stellt die EZB also weitere Zapfsäulen zur Verfügung. Dies ändert aber nichts an der „normalen“ Zahl der Zapfsäulen (Liquidität) und dem normalen Verbrauch der Fahrzeuge (Demand). Die EZB gleicht also Peaks im Markt aus und sorgt somit dafür, daß das Bankensystem kostengünstig arbeiten kann.
Unter normalen Umständen hat dies also keine Auswirkungen auf die Geldmenge (M3).
Jedoch, sind solche Vorkommnisse ein Zeichen für Veränderungen im System. Diese können kurzfristig sein. Die Gefahr liegt jedoch darin, daß sich die EZB verschätzt und die kurzfristig gedachte Liquidtät in langristige umwandeln muß. Ein solcher Fall ist aber sehr unvorstellbar, kann aber durch mutwillige Missachtung der Maastricht Kriterien eintreten.
- Wann endet die Finanzkrise endlich ?
Die Finanzkrise ist jetzt seit mehr als einem Jahr im Gange. Sie erreicht jetzt letztendlich das Bewußtsein der Anleger, die jetzt erst verstehen, daß diese Krise nicht so schnell vorbei sein wird, wie gehofft.
Die Krise hat auf verschiedene Bereiche übergegriffen. Ausgehend von einer halben Billionen (english: trillion) Abschreibungen im Sub-prime Bereich, hat sie sich auch auf alle anderen Finanzprodukte ausgedehnt. Diese Krise und ihre Auswirkungen wird uns also noch weitere Jahre beschäftigen.
Am Anfang sah es so aus, als seien nur Banken und investment Manager und reichere investoren betroffen. Die erste Welle der Finanzkrise ließ Investoren auf Wertpapieren sitzen, in denen Banken die Sub-prime Kredite gebündelt hatten. Solche Fonds wurden dann wegen Wertverlust "plötzlich" geschlossen. An- und Verkauf war nicht möglich. Da aber viele Banken und Investoren diese Papiere gekauft hatten, konnten sie ihre eigene Solvenz nicht mehr sicherstellen. Eine Lösung mußte her und das hat Konsequenzen für viele Menschen.
- Wieso ist jeder betroffen ?
Als es los ging mit der Krise, wußte man zuerst nicht wieviel diese Papiere noch wert sind.Einige Fonds, die Sub-prime Papiere gekauft hatten hatten plötzlich Probleme sie am Markt zu verkaufen. Anleger, die also Ihr Geld wiederhaben wollten hatten ein Problem. Der Fond von Bear Stearns verlor so dramatisch an Wert, daß die Bank mit Millarden einsprang. Aber es half nichts.
Das Grundproblem war ein Pyramiden Schema. Alles ging gut, solange man diese Giftmüll-Papiere gut weiterverkaufen konnte. Als dann investoren fehlten, war auch das Papier nichts mehr wert.
Dann fingen die Banken an sich gegenseitig nicht mehr zu vertrauen. Es gibt eben Banken die mehr und andere, die weniger stark in diesen Geschäften involviert waren. Somit verlangten die Banken höhere Zinssätze und verschärften das Problem der Liquidität. Die Zentralbanken überall in der Welt sprangen ein und warfen mit Geld um sich, wie Confetti.
Im Zuge der Krise senkte die Fed in den Vereinigten Staaten die Zinsen so dramatisch wie noch nie zuvor in der Geschichte. Dies hat Auswirkungen auf die Inflation. Man kann also sagen, dass die Inflation die wir beobachten eine Krisen-Steuer ist, oder zumindest so wirkt.
- Warum rettete die FED Bear Stearns ?
Als die massiven Zinssenkungen das nichts halfen, mußte die FED sogar die Bank Bear Stearns vor einem Kollaps zu retten. Investor Warren Buffet lehnte das Angebot Bear Stearns zu übernehmen ab, und so war die Übernahme durch JP-Morgen der einzige Ausweg. Eine Aufgabe der FED ist es nämlich, die Stabilität des Systems zu gewährleisten. Dies wäre aber binnen Tagen zusammengebrochen, wenn Bear Stearns nicht gerettet worden wäre. Innerhalb weniger Tage hätten Banken überall in der Welt Konkurs anmelden müssen. Millionen von Anlegern, Sparer und Investoren hätten mit ziemlicher Sicherheit fast alles verloren.
- Was unternahm die FED noch, um das System zu stabilisieren ?
Im Anschluß an die beinahe Pleite von Bear Stearns, errichtete die FED die Term Auktion facility, nach dem Modell der EZB. Sie nimmt die Papiere, die keiner haben will als Sicherheit und gibt den Banken dafür Geld, oder Schatzbriefe, die sogenannten Treasuries. US-Treasuries sind vom Staat garantiert und galten bislang als das Maß der Dinge in der internationalien Finanzwelt. Auf diesem Weg wurden große Mengen Geld in den Bankenapparat gepumpt. Als Folge gingen die Inflationswerwartungen in die Höhe.